Steuerberater Eich Kreuztal

Wer ist buchführungspflichtig?

Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) ist in 2009 die größte Reform des Bilanzrechts seit mehr als 20 Jahren in Kraft getreten. Das Gesetz soll dazu dienen vermeidbare Bürokratie abzubauen und das deutsche Bilanzrecht im internationalen Wettbewerb zu stärken. Dabei sollen Lehren aus der Finanzkrise gezogen und berücksichtigt worden sein.

Für einige Unternehmer/Innen mag es tatsächlich so sein, dass der Bürokratieaufwand etwas geworden ist, für andere bedeutet das aber die Notwendigkeit nicht nur eine, sondern sogar zwei Bilanzen aufstellen lassen zu müssen, nämlich eine Handels- und eine Steuerbilanz.

Einfacher soll es für diejenigen sein, die nach dem Handelsrecht nicht mehr buchführungspflichtig sind und damit auch keinen Jahresabschluss in Form einer Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung mehr aufstellen oder aufstellen lassen müssen. Stattdessen sollen Sie nur noch Aufzeichnungen führen und daraus eine Einnahmen-Überschussrechnung fertigen oder fertigen lassen.

Parallel zu der Buchführungspflicht nach dem Handelsrecht gibt es allerdings noch eine Buchführungspflicht nach dem Steuerrecht. Die Voraussetzungen sind ähnlich ausgestaltet, jedoch kann es ohne weiteres vorkommen, dass der Unternehmer beziehungsweise das Unternehmen nach Handelsrecht zur Buchführung und Jahresabschlusserstellung verpflichtet ist und nach Steuerrecht nicht. Ebenso ist der umgekehrte Fall denkbar. Dies liegt daran, dass die entsprechenden gesetzlichen Regelungen im Handelsrecht und im Steuerrecht nicht genau übereinstimmen.

Nach Handelsrecht sind Sie zur Buchführung und handelsrechtlichen Bilanzierung dann nicht mehr verpflichtet, wenn sie an den Abschlussstichtagen von zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren nicht mehr als 500.000,00 Euro Umsatzerlöse und 50.000,00 Euro Jahresüberschuss aufweisen (ab 2016 wahrscheinlich 600.000,00 Euro Umsatz und 60.000,00 Euro Gewinn). Die Buchführungspflicht tritt bereits ein, wenn nur eine dieser beiden Höchstgrenzen überschritten worden ist.

Nach Steuerrecht sind Sie nicht verpflichtet, eine Buchführung anzufertigen und eine Bilanz aufzustellen, wenn Ihre Umsätze 500.000,00 Euro (ab 2016 wahrscheinlich 600.000,00 Euro) und Ihr Gewinn aus Gewerbebetrieb 50.000,00 Euro (ab 2016 wahrscheinlich 60.000,00 Euro) im Jahr nicht überschreiten. Eine Buchführungs- und Bilanzierungspflicht ergibt sich bei Überschreiten einer der beiden Grenzen jedoch erst vom Beginn des Wirtschaftsjahres an, dass auf die Bekanntgabe der Mitteilung folgt, durch die die Finanzbehörde auf den Beginn dieser Verpflichtung hingewiesen hat. Im Klartext heißt das, dass Sie nach steuerlichen Vorschriften ab dem Datum buchführungspflichtig sind und eine Bilanz aufstellen müssen, ab dem Sie das Finanzamt dazu aufgefordert hat.

Ich bin mir sicher, dass bei etlichen kleineren Unternehmern mal eine Bilanzierungspflicht besteht und mal nicht. Ein ständiger Wechsel zwischen Bilanz und Einnahmen-Überschussrechnung ist jedoch auf keinen Fall ratsam, da der Wechsel zusätzlichen Aufwand auslöst und sich dadurch erst recht kein vernünftiger Überblick über die Ergebnisse der wirtschaftlichen Tätigkeit des Unternehmens gewinnen lässt.

Warum eine Buchführung sinnvoll sein kann, auch wenn keine Verpflichtung gegeben ist.

Fraglich ist, ob es für einen Unternehmer sinnvoll ist, nur Aufzeichnungen über seine Einnahmen und Ausgaben zu führen oder ob er mit einer Buchführung nach bilanziellen Gesichtspunkten dafür sorgt, dass er Informationen über sein Unternehmen erhält, die ihm bei der Unternehmensführung behilflich sind. Denn eine gute Finanzbuchführung soll dem Unternehmer zeigen, wo er steht und als Entscheidungsgrundlage zum Beispiel für Investitionen dienen. Außerdem dienen Finanzbuchführungsergebnisse häufig als Entscheidungsgrundlage für Kreditgewährungen und sind somit unverzichtbar. Sofern nur Aufzeichnungen über Einnahmen und Ausgaben führt werden, sind häufig zusätzliche Informationen aufzubereiten, die den Vorteil des Wegfalls einer Finanzbuchführung wieder aufzehren.

Sofern sich jemand dazu entschließt, lediglich Aufzeichnungen über seine Einnahmen und Ausgaben zu führen, sei nicht verschwiegen, dass er dies auch in Form einer sortierten Belegablage vornehmen kann. Am Jahresende können dann die sortierten Belege addiert und in das vom Finanzamt geforderte Formular übertragen werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass in dem von den Finanzämtern angeforderten Formular zur Einnahmen-Überschussrechnung eine ziemlich weitgehende Aufteilung der Einnahmen und Ausgaben gefordert ist. Ferner kommt hinzu, dass Sie möglicherweise monatlich oder vierteljährlich eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben müssen. Auch hierfür müssen Werte ermittelt werden.

Sofern Sie diese Arbeiten von uns erledigen lassen, sehe ich kein großes Ersparnispotenzial gegenüber der Anfertigung von Aufzeichnungen analog einer Finanzbuchführung für steuerliche und betriebswirtschaftliche Zwecke. Und eine Kontrolle, ob alle Einnahmen und Ausgaben erfasst worden sind, gibt es auch nicht. Ganz zu schweigen davon, dass Sie erst dann wissen, was Sie zu versteuern haben, wenn die Belegablage ausgewertet worden ist. Für steuerliche Gestaltungsmaßnahmen oder die Anpassung von Steuervorauszahlungen ist es dann aber zu spät.

Ich bin daher der Meinung, dass es sich trotz möglicher kleinerer Ersparnisse lohnt, Aufzeichnungen analog einer Finanzbuchhaltung erstellen zu lassen. Zumal wir auch bei diesen Aufzeichnungen häufig Ihre Forderungen an Kunden und Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten mitbuchen und für Sie im Auge behalten.