Werbungskosten

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Doppelte Haushaltsführung: Unangemessen teure Designermöbel gefährden den Werbungskostenabzug

Zwei Haushalte zu führen ist teuer. Da ist es zumindest ein kleiner Trost, wenn einem das Finanzamt zumindest einen Teil der Einkommensteuer erlässt. Allerdings gab es vor 2014 im Bereich der beruflich bedingten doppelten Haushaltsführung noch den Begriff der Angemessenheit, der die Steuerersparnis begrenzen konnte (alte Rechtslage).

Das musste auch eine Bankangestellte erfahren, die für die Erstausstattung ihrer Zweitwohnung am Beschäftigungsort diverse Aufwendungen getragen hatte. Insgesamt wollte sie gut 41.000 € von ihrer Einkommensteuer abziehen. Das Finanzamt erachtete einige Positionen in ihrer Rechnung aber als nicht angemessen und kürzte die geltend gemachten Werbungskosten. Im Detail ging es um einen Designersessel für 5.474 €, acht Stühle für je 670 €, die Größe der Wohnung (66 qm) und die Höhe der Miete.

Dieser Einschätzung Urteil schloss sich das Finanzgericht Köln (FG) an und ließ die Kürzung der Werbungskosten gelten: Die Kosten des Sessels erkannte es nur bis 1.000 € an und befand lediglich vier Stühle zu je 200 € als angemessen und notwendig. (Den 2.330 € teuren Fernseher fand es übrigens unkritisch.) Mit dieser Bewertung war das FG strenger als das Finanzamt; dafür legte es bei der Beurteilung einer angemessenen Miete einen freundlicheren Maßstab an.

Üblicherweise wird für eine Person eine Wohnungsgröße bis 60 qm als angemessen anerkannt. Sofern nur in diesem Bereich eine Abweichung nach oben vorliegt, ist das nicht weiter relevant. Da bei der Bankangestellten jedoch auch der Mietpreis über dem ortsüblichen Durchschnit lag und somit zwei wesentliche Parameter der Angemessenheit überschritten waren, kürzte auch das FG den Werbungskostenabzug bei der Miete – allerdings weniger stark als das Finanzamt zuvor.

Interessant ist bei der Urteilsbegründung auch, wie das FG die ortsübliche Durchschnittsmiete ermittelte. Denn es differenzierte nicht nach Stadtteilen, sondern bezog die Mieten des gesamten Stadtgebiets und Immobilien jedes Alters ein. Das führte bei dem Stadtteil, in dem die Bankangestellte wohnte, zwangsläufig zu einer erheblichen Abweichung von der Durchschnittsmiete.

Hinweis: Zumindest für die Beurteilung der Unterkunftskosten wird das Kriterium der Angemessenheit seit 2014 nicht mehr herangezogen. Hier gilt nun eine Höchstgrenze von 1.000 € monatlich für den Werbungskostenabzug bei doppelter Haushaltsführung. Zu Ihren Abzugsmöglichkeiten nach alter und neuer Rechtslage beraten wir Sie gern.

FG Köln, Urt. v. 06.11.2014 – 13 K 1665/12; www.justiz.nrw.de

Vermietung: Schuldzinsen als nachträgliche Werbungskosten

Das Leben ist manchmal schon kompliziert genug – und dann kommt auch noch das Steuerrecht hinzu. Das muss sich kürzlich auch ein Ehepaar gedacht haben. Die Ehefrau hatte mit ihrem früheren Partner eine Eigentumswohnung gekauft. Nach Ablauf der zehnjährigen Spekulationsfrist vermieteten sie diese und ein weiteres Jahr später veräußerten sie die Wohnung – mit Verlust. Im Rahmen der Trennung übernahm die Frau das fällige Darlehen und schuldete es in ein eigenes um. Eine mit dem ursprünglichen Darlehen verbundene Lebensversicherung ließ sie sich nicht auszahlen, sondern „übertrug“ sie ebenfalls auf das neue Darlehen.

Das Finanzamt erkannte die Darlehenszinsen daraufhin nicht als nachträgliche Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung an. Diese Ansicht begründete es damit, dass der neue Ehemann alle Zinszahlungen getätigt und die Ehefrau die Lebensversicherung nicht zur Tilgung des Darlehens eingesetzt hatte.

Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg (FG) war da jedoch anderer Meinung: Es widersprach der geltenden Verwaltungsauffassung, wonach es zwischen den Darlehenszinsen und den Vermietungseinkünften bei einer nach der Spekulationsfrist veräußerten Immobilie keinen unmittelbaren Zusammenhang gibt. Stattdessen vertrat es die gegenteilige Auffassung des Bundesfinanzhofs.

Dass sowohl der Veräußerungserlös als auch die Lebensversicherung zur Tilgung des Darlehens genutzt werden müssen, zog das Gericht nicht in Zweifel. Die Lebensversicherung war in diesem Fall jedoch Bestandteil des Darlehensvertrags und ist es bei der Umschuldung auch geblieben. Eine solche Vereinbarung ist ein gängiges Finanzierungsmodell. Somit dürfen die Werbungskosten auch nicht anteilig gekürzt werden.

Dass die Zahlungen nur vom neuen Ehemann geleistet worden waren, war nach Auffassung des FG unerheblich. Denn die Ehefrau war (Mit-)Schuldnerin des Darlehens – und darauf kam es an.

Hinweis: Vor allem bei einer erstmaligen Vermietung mit Darlehensfinanzierung sollten wir ein allgemeines Beratungsgespräch miteinander führen. Es gibt in diesem Zusammenhang Fehler, die man auch über den Zeitablauf nur schwerlich korrigieren kann.

FG Berlin-Brandenburg, Urt. v. 22.10.2014 – 3 K 3245/13, Rev. zugelassen; www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de

Kosten der GmbH-Beteiligung: Werbungskostenabzug auch bei mittelbarer Tätigkeit für die GmbH

Bei Verbindungen zu und Beteiligungen an Kapitalgesellschaften stoßen die Steuergesetze häufig an ihre Grenzen und müssen interpretiert werden. So auch bei dem folgenden komplizierten Fall: Der Kläger war Geschäftsführer einer Beteiligungsgesellschaft, die unter anderem mit einer Unterbeteiligung eine Organschaft gebildet hatte. Die Unterbeteiligung – eine GmbH – musste ihren gesamten Gewinn an die Beteiligungsgesellschaft abführen. Im Verlustfall wäre Letztere im Gegenzug ausgleichspflichtig gewesen. Sämtliche Geschäftsführungsbefugnisse der Unterbeteiligung waren ebenfalls an die Beteiligungsgesellschaft gegangen. Ausgeführt wurden die Geschäftsführungstätigkeiten durch den Kläger, der Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft war.

Der Geschäftsführer war zudem zu 5,75 % an der Unterbeteiligung beteiligt. Ausschüttungen oder Ähnliches konnte er aufgrund der Organschaft mit der Beteiligungsgesellschaft zwar nicht erwarten. Bei einer Beteiligung über 1 % und unter 25 % und gleichzeitiger beruflicher Tätigkeit für die Gesellschaft besteht aber prinzipiell die Möglichkeit, die Ausschüttungen aus der Gesellschaft nicht der Abgeltungsteuer von 25 %, sondern dem individuellen Steuersatz zu unterwerfen. Das ist unter anderem dann vorteilhaft, wenn im Zusammenhang mit der Beteiligung nur Kosten entstehen. Bei Anwendung der Abgeltungsteuer wäre der Werbungskostenabzug nämlich auf 801 € begrenzt. Bei der tariflichen Besteuerung gibt es dagegen keine solche Begrenzung.

Der Geschäftsführer hatte für den Erwerb seiner Beteiligung ein Darlehen aufgenommen, welches über 10.000 € Zinsaufwendungen verursacht hatte. Diese wollte er als Werbungskosten geltend machen. Nach Auffassung des Finanzamts war er aber nur mittelbar – über die Beteiligungsgesellschaft – an der Kapitalgesellschaft beteiligt. Daher versagte es dem Geschäftsführer den Abzug.

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hingegen sieht die Anwendung der tariflichen Besteuerung durch das Gesetz gedeckt. Denn hier ist nicht ausdrücklich aufgeführt, ob die Beteiligung an der Kapitalgesellschaft, für die der Steuerpflichtige beruflich tätig ist, mittelbar oder unmittelbar sein muss. Zumindest im Fall einer Organschaft muss die tarifliche Besteuerung also zulässig sein. Somit konnte der Kläger im Rahmen des Teileinkünfteverfahrens 60 % der Werbungskosten geltend machen.

Hinweis: Tragen Sie privat Aufwendungen, die dazu dienen, Einnahmen zu generieren? Dann scheuen Sie sich nicht, diese Aufwendungen steuerlich geltend zu machen. Wir beraten Sie gerne.

FG Rheinland-Pfalz, Urt. v. 09.12.2014 – 3 K 2697/12, Rev. zugelassen; www.mjv.rlp.de